Twitter und Unternehmen: Twittern ist nicht gleich Twittern

26. März 2009 von Sascha Alexander

Über eine mangelnde Debatte zum Twitter-Phänomen kann man sich ja derzeit wirklich nicht beklagen. Beispielsweise hat jetzt Matthias Schwenk einmal die unterschiedlichen Twitter-Typen aufgelistet.

Erste Erfahrungen deutscher Unternehmen hatte vor kurzem Benedikt Köhler zusammengestellt. Einen Eindruck verschafft auch eine Liste deutscher Verlage, die twittern und bloggen, darunter die Computerwoche, und auch ich mache mittlerweile meine tweets, wobei ich bisher den Eindruck habe, dass viele Mitglieder vor sich hin zwitschern, statt miteinander zu kommunizieren (Followers und @erwünscht).

Aber vielleicht ändert sich das ja durch Sites wie  ExecTweets, wo Business-Vertreter sich finden und austauschen sollen. Welche Firmen sonst noch so twittern und das offenbar besonders gut machen, hat Mashable vorgestellt und dabei die besten 40 Twitter Brands und ihre Macher gekürt.

Lexware-Nutzer brauchen gute Nerven

23. März 2009 von Frank Niemann

Lexware-Kunden haben wirklich nicht viel zu lachen. Für Februar hatte das Softwarehaus ein Update in Aussicht gestellt, das zahlreiche Fehler der Funktionen des Moduls Lohn & Gehalt beseitigen sollten (siehe Softwarepanne bei Lexware). Zum Jahreswechsel hatte Lexware eine neue Softwareversion herausgebracht, die neue gesetzliche Anforderungen berücksichtigen sollte. Gleichzeitig verpasste der Anbieter dem Programm ein neues Frontend, mit dem viele Nutzer aber nicht klar kommen. Unzufrieden sind die Softwarekunden aber auch mit den Supportleistungen des Anbieters.
Das für Februar angekündigte Update kam, doch damit offenbar neue Probleme, wie Anwender berichten. Einer von Lexware-Anwendern organisierten Umfrage zufolge gibt es nur eine Minderheit von Firmen, die ohne Schwierigkeiten mit der Geschäftssoftware arbeiten können. Unlängst hat Lexware ein weiteres Update herausgebracht. Auch das scheint nicht allen Softwarenutzern geholfen zu haben, erfährt man im Gespräch mit Anwendern.
Die Frage bleibt aber, warum es so schwer ist, eine korrekte Software auszuliefern?

Kundenärger über SAP

20. März 2009 von Heinrich Vaske

Als wir beschlossen haben, uns aufgrund des anhaltenden Ärgers vieler Anwender noch einmal intensiver dem Thema SAP zuzuwenden, haben wir uns schon gefragt: Warum haben sich die Kunden eigentlich so furchtbar aufgeregt, als SAP sie Ende letzten Jahres auf ein neues Maintenance-Modell mit deutlich höheren Kosten zwingen wollte? Andere kassieren schon lange 22 Prozent vom Lizenzumsatz für die Wartung - zum Beispiel Oracle.

Wahrscheinlich war es vor allem der neue Stil, der das Fass zum Überlaufen brachte. (Abhängigen) Anwendern zu sagen, jetzt wird alles teurer, aber dafür bekommt ihr schließlich auch mehr, ist gelinde gesagt unglücklich. Vor allem wenn der Kunde dann Dinge erhält, die er gar nicht haben will. Niemand wird sich im Supermarkt von einem Verkäufer Dinge in den Einkaufswagen legen lassen und dann an der Kasse bereitwillig zahlen. SAP hat das verlangt.
Kunden möchten immer noch frei entscheiden, was sie kaufen. Zugegeben, im Software-Business hat dieses marktwirtschaftliche Grundgesetz noch nie so richtig funktioniert. Aber die meisten Anbieter haben sich die Mühe gemacht, die Illusion aufrechtzuerhalten. SAP hat das versäumt.

Hinzu kam das schlechte Timing: IT-Verantwortliche stehen seit langem unter dem Druck, die Kosten zu senken – nicht erst seit der Wirtschaftskrise. Oft müssen sie 80 Prozent ihres Budgets und mehr in den laufenden Betrieb stecken. Sie haben kaum die Mittel, um innovative Projekte voranzubringen. Daran aber werden sie gemessen: Die IT soll den viel zitierten “Wertbeitrag” bringen. So wird seit Jahren konsolidiert, harmonisiert, virtualisiert – nur um die Betriebskosten zu senken. Und dann kommt SAP mit der Ankündigung, eben diese Kosten mit einer neuen, eigenen Vorstellung von Wartung wieder hochzutreiben. Und warum? Letztendlich, um höhere Gewinnmargen und damit eine bessere Börsenstory vorweisen zu können. Da kann man als Kunde schon mal ungehalten werden.

Der Zeitpunkt war auch in anderer Hinsicht unglücklich. Vertraute Gesichter wie Henning Kagermann, Claus Heinrich und Peter Zencke gehen von Bord, und das Erste, was das neue Management unternimmt, ist an der Preisschraube zu drehen. Für viele deutsche IT-Verantwortliche war das ein ganz schlechtes Signal. Und jetzt hat SAP das, was keiner wollte: den Aufstand der Kunden. Das Zeichen könnte klarer nicht sein: Willkürliche Preiserhöhungen sind mit uns nicht zu machen!

Hilft CRM aus der Krise?

20. März 2009 von Frank Niemann

Da gehen die Meinungen auseinander. Einerseits müssen Firmen ihre Vertriebsabläufe auch in Krisenzeiten verbessern. Vielleicht sogar jetzt erst recht. Andererseits gibt es Leute, die meinen, gerade CRM-Projekte lassen sich eher auf die lange Bank schieben, weil sie nicht so geschäftskritisch sind.
Meine Meinung ist, dass CRM-Investitionen zum jetzigen Zeitpunkt vor allem dann sinnvoll sind, wenn sie sich rasch beim Kunden bemerkbar machen. Mehr über den Kunden zu erfahren, um ihn gezielt anzusprechen, statt ihn mit belangloser Werbung zu nerven, wäre da schon mal ein Anfang. Da hat so manches Unternehmen noch etwas vor sich. Zum Beispiel die Telekommunikationsfirma, die Kunden, die vor Monaten zu einem Konkurrenten gewechselt sind, noch immer als “treue Kunden” anschreibt.

Was wird aus den deutschen DMS-Anbietern?

11. März 2009 von Sascha Alexander

Die Spekulationen nehmen zu, dass es in diesem Krisenjahr so manchen Anbieter von Dokumenten-Management-Software finanziell erwischen könnte. Viele von ihnen erzielen zwar Umsätze im unteren/mittleren MIllionenbereich, doch über die Gewinne und Cash-Reserven weiß man wenig. Hinzu kommt, dass sich durch den Wettbewerbsdruck im Markt und/oder eine historisch gewachsene Klientel mancher Anbieter zu einem Branchenspezialisten entwickelt hat.

Auch in meinen Gesprächen auf der CeBIT zeigten sich Marktkenner besorgt. Nun rächt es sich auch, dass kaum ein Anbieter den Sprung ins internationale Geschäft geschafft hat. Hinzu kommen immer wieder Versuche der großen ECM-Hersteller, nicht nur bei Großkunden, sondern auch im Mittelstand Fuß zu fassen. Allerdings bisher ohne durchschlagenden Erfolg.

Interessant wird in diesem ZUsammenhang zu sehen sein, inwiefern Microsoft Office SharePoint Server dieses Jahr als Zugpferd für Abschlüsse im DMS-Markt (Archivierungssoftware) dienen kann. Spannend ist ebenfalls, ob SAP nun den geplanten Angriff im ECM-Markt startet. Auch EMC/Documentum hat Einiges vor und auf der letzten Anwenderkonferenz einen interessanten Client-Ansatz vorgestellt- allerdings wohl keine Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen.

EU anachronistisch

19. Januar 2009 von Thomas Cloer

Mal unter uns: Die Brüsseler Kartellwächter agieren in Sachen Microsoft schon länger völlig an der Realität vorbei (ich sage nur “Windows N”). Sich JETZT, wo zum Beispiel Firefox sich längst aus eigener Kraft erhebliche Marktanteile erobert hat, das Bundling von IE und Windows vorzunehmen, finde ich einfach absurd.

Der Zug ist wirklich schon so lange abgefahren, dass man sich da nicht mehr davorzuwerfen braucht. Und schon gar nicht wegen einer Beschwerde von Opera, das sich längst auf andere Märkte fokussiert hat. Weil es auf dem Desktop nicht punkten konnte — was nicht an Microsoft liegt, siehe Firefox.

Man muss Microsoft wirklich nicht lieben, aber in den letzten Jahren hat sich eine Menge getan in Redmond. Zum Beispiel auch, dass der nächste IE standardmäßig standardkonform wird und keine ActiveX-Extrawürstchen mehr brät.

Viele mündige Surfer browsen eh längst mit Firefox, und dank des kriseninduzierten Netbook-Booms zum Teil sogar ohne Windows. Auch das Apple-Lager mit Safari legt dank des wiedererstarkten Macs zu. Und Web-Freaks reiten auf Google Chrome durchs Netz. Es gibt also gesunden Browser-Wettbewerb — dass man IE-Alternativen unter Windows erst herunterladen muss, ist in breitbandigen Zeiten kein Argument mehr.

Microsoft kämpft in Wirklichkeit ohnehin an anderen Fronten: SaaS, Smartphones und mobiles Internet, Internet-Suche und -Vermarktung, you name it. Brüssel sollte lieber Obacht geben, dass der Konzern hier korrekt agiert. Da geht es nämlich um die Zukunft. Browser sind Commodity, meine Damen und Herren Kommissarinnen und Kommissare!

SnapLogic - Datenintegration mit Open Source

9. Oktober 2008 von Sascha Alexander

Ein weiteres Startup, das wir auf unsere Tour durchs Silicon Valley besuchten, war SnapLogic mit Sitz in San Mateo. Das Unternehmen mit seinen zwölf Mitarbeitern entwickelt seit 2006 Software für die Datenintegration und - migration und verfolgt dabei ein Open-Source-Modell. Die beiden Gründer von SnapLogic sind keine Unbekannten im Markt: So gründete Gaurav Dhillon den Datenintegrationsspezialisten Informatica, Mike Pittaro war bei Informatica für den Kundensupport verantwortlich gewesen.

Framework für SaaS und Cloud Computing

Laut Pittaro passe die Produktstrategie von SnapLogic in die Zeit: Basierend auf Internet-Technik und quelloffener Software wolle man eine schlankes und vor allem im Vergleich zu kommerziellen Produkten für die Datenintegration kostengünstiges Framework bereitstellen. Ganz im Trend sei SnapLogic als Komponente für Mietsoftware im Web (Software-as-a-Service) und Baustein im Cloud Computing gedacht. Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen.

Die Produktarchitektur von SnapLogic ist mit dem Konzept eines Enterprise-Service-Bus vergleichbar und bietet eine Trasnformationsengine, die zwischen den Quelldaten eine Art Daten-Pipeline herstellt. Grundfunktionen sind das Lesen, Schreiben und die Umwandlung von Datenströmen.

Kommunikation über REST

Der leichtgewichtige Server ist seit April in Version 2.0 verfügbar und bietet eine offene Schnittstelle (in Python). Die Kommunikation mit den Quell- und Zielsystemen basiert auf HTTP/HTTPS und REST. Es gibt einige quelloffene Konnektoren und Transformationsmodule, und über ein “PHP extension package” auch ein PHP-Interface. Zudem sind spezielle Lösungen für Salesforce.com und dem Open-Source-Anbieter Sugar CRM im Angebot. Ebenso ist SnapLogic für die virtuelle Speicherumgebung EC2 von Amazon verfügbar.

Für den Administrator steht eine Browser-basierende Oberfläche bereit. Mit Hilfe eines grafischen Designer-Werkzeugs lassen sich per drag-and-drop Datenquellen über “Pipelines” verknüpfen. Ein Repository verwaltet die dazugehörigen Metadaten.

Das Geschäftsmodell von SnapLogic basiert in erster Linie auf Services. Die Software ist als Download in verschiedenen Varianten erhältlich, beispielsweise als Entwicklerversion, . Daneben gibt es aber auch lizenpflichtige Angebote. Neuigkeiten finden sich neben der Homepage auch im Blog des Anbieters.

Konkurrent zu Talend und Yahoo Pipes?

SnapLogic ist indes nicht das einzige Angebot für das Daten-Management auf Open-Source-Basis. Hier ist vor allem auch Talend zu nennen. Doch will Pittaro einen fundamentalen Unterschied in der Produktarchitektur sehen. So sei Talend für ihn eine klassische Engine für die Extraktion, Transformation und das Laden von Daten (ETL) während SnapLogic ein leichtgewichtiges Framework für die Datenbewirtschaftung. Eher sei man vergleichbar mit “Yahoo Pipes“, das aber laut Pittaro keine lokal verwalteten Daten integriere, sondern öffentlichen Content aus dem Web (mehr zu Yahoo Pipes hat beispielsweise der Programmierer Frank Westphal in seinem Blog zusammengestellt).

Tour durchs Googleplex - bitte keine Fotos und Fragen!

6. Oktober 2008 von Sascha Alexander

Auf unserer Tour durchs Silicon Valley durfte natürlich auch ein Besuch bei Google und dessen Zentrale Googleplex in Mountain View nicht fehlen. Angesichts der vielen euphorischen Blog-Berichte über die Annehmlichkeiten und Besonderheiten des Firmenkomplexes, waren die Erwartungen natürlich hoch -vielleicht zu hoch. So wurden wir denn schon beim Empfang durch einen Pressereferenten darauf hingewiesen, dass wir im Innern praktisch nichts, und wenn doch dann am besten nur mit Erlaubnis fotografieren dürften. Schon komisch, bedenkt man die zahllosen Bilder, die über Googleplex im Web kursieren.

Lava-Lampen am Eingang, darüber eine laufende Liste der weltweit eingegebenen Suchanfragen.

Ebenso gab man sich zu allen Fragen wortkarg oder blieb vage: “Wieviele Menschen arbeiten denn hier?” - Antwort: “Tausende”. Wir fühlten uns daher schnell wie Touristen auf der Durchreise, an denen man bei Google wenig Interesse hatte. Dabei waren doch unter anderem Kollegen von der C´T, CHIP, Focus und dpa dabei.

Auch so manche Highlights waren dann doch weniger spektakulär als gedacht. So die oft gepriesenen Tafeln, an denen sich angeblich jeder bei einem plötzlich auftretenden Gedankenblitz veröffentlichen kann.

Inspirierend? Eine der öffentlichen Tafeln im Googleplex, auf der sich jeder spontan äußern kann.

Tatsächlich sah ich nur zwei Tafeln, eine mit Bildchen (siehe oben), wie man sie auch an “öffentlichen Orten” finden könnte, und eine andere mit ein paar Skizzen und Zeichnungen, die aber sofort als geheim eingestuft und nicht zu fotografieren war.

Essen bis der Arzt kommt

Die vielen Küchenzeilen in den Stockwerken und die kostenlosen Futterstationen sind eigentlich auch nicht so ungewöhnlich in US-Unternehmen. Etwas Besonderes ist hingegen wirklich die große Kantine mit ihrer phantastischen Auswahl und Qualität. Zudem kann man so oft hingehen, wie man will, und alle Speisen und Getränke sind kostenlos.

Die Google-Kantine. Innen wartet ein Schlaraffenland- für lau.

Natürlich durften auch die Billardtische, Tischkicker, Lego-Ecken, das Fittnesscenter, die Wäscherei, der Frisör, das Volleyballfeld im Hof sowie das witzige Mini-Schwimmbad mit Gegenstromanlage bei einem Rundgang nicht fehlen. Dazu die vorweigend jungen Leute und die weitläufige Anlage: Kein Wunder, dass Googleplex auf die meisten wie ein Universitätscampus wirkt. Für begabte Studienabgänger aus aller Welt samt den Absolventen aus Berkley und Stanford muss dies alles wie eine coole Fortsetzung ihres bisherigen Lebens plus Freizeitpark vorkommen. Allerdings sind viele Dienste nicht kostenlos, wie erst im Juli die Debatte um die teure Kindertagesstätte Kinderplex zeigte.

Ist die Arbeit wirklich so anders?

Fast Gebetsmühlenhaft wurde uns auf der Führung immer wieder gesagt, dass es hier flache Hierarchien und keine feste Arbeitszeiten gebe. Auch dürfe man nicht vermuten, dass die Angestellten 7X24 Tage die Woche arbeiten würden. Vielmehr läge es an jedem einzelnen, wie lange er für ein Projekt oder eine Aufgabe benötige. Zudem stehe jedem Zeit zum Ausprobieren eigener Ideen zu.

Gegenstromanlagen mit Bademeister

Klingt alles sehr schön, doch sollte sich keiner Illusionen machen, dass hier nicht genauso hart (oder härter) gearbeitet und gefordert wird, wie in vielen anderen Unternehmen in der Welt. Allerdings ist natürlich derzeit wohl jeder unheimlich stolz (bis überheblich), wenn er bei einem so erfolgreichen Unternehmen wie Google arbeiten kann, das praktisch über Nacht entstand. Die Feuerprobe wird wohl erst dann kommen, wenn die Dinge einmal schief laufen, wie etwa jetzt bei Yahoo! und man plötzlich nicht mehr so angesagt ist. Manche Marktbeobachter sehen diese ja schon für Google voraus.

Die beste CeBIT aller Zeiten - Arnold Schwarzenegger kommt

4. Oktober 2008 von Sascha Alexander

Naja, es ist noch nicht ganz sicher, aber offenbar will Gouverneur Arnold Schwarzenegger alles daran setzen, im kommenden Jahr nach Hannover zu kommen. Dies kündigte Schwarzenegger auf einer eigens in San José bei Intel anberaumten Pressekonferenz an. Wie schon im Interview mit Messechef Ernst Raue berichtet, ist Kalifornien nächstes Jahr offizieller Partner der CeBIT.

Vielleicht ist Arnie nächstes Jahr auch “back in Germany”, wo seine Bodybuilder-Karriere begann.

Auf der Veranstaltung betonte nun Schwarzegger in Gegenwart von Raue, Bitkom-Chef August Willhelm Scheer und Niedersachsens stellvertretenden Ministerpräsidenten Walter Hirche sowie Vetretern Kaliforniens, welche Ehre es sei, Kalifornien und seine IT-Industrie vorstellen zu dürfen.

Neben der schon mehrfach erwähnten Webciety soll es spezielle Veranstaltungen und Foren für CIOs geben. Auch das Thema Green IT steht auf der Agenda. Auch manche Startups hier aus dem Silicon Valley werden dabei sein und dabei eine finanzielle Unterstützung erhalten. Messechef Raue war dann auch sichtlich zufrieden mit dem Abkommen, dass viel Arbeit gekostet hatte. Es glaubt, es könnte die beste CeBIt aller Zeiten werden.

Win-Win und Erinnerungen an Deutschland

Bitkom-Vorsitz Scheer betonte, dass es eine “win-win”-Situation für Firmen aus Kalifornien und Deutschland sei. Zudem sagte Scheer, dass die ITK-Industrie hierzulande optimistisch sei und sich nicht von der Finanzkrise beeinflusst sehe. Vielmehr habe der Industrieverband kürzlich seine Prognosen für 2008 nach oben korrigiert.

Großer Bahnhof in San José: Am Firmensitz von Intel hatten sich Wirtschaftsvertreter und Politik versammelt, um für die kommende CeBIT zu werben. Niedersachsens Wirtschaftsminister Werner Hirche (links), Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger und CeBIT-Chef Ernst Raue lobten die guten Beziehungen zwischen Messe und der IT-Industrie im Silicon Valley.

Derweil hat Arnold Schwarzenegger neben wirtschaflichen Überlegungen auch so seine eigene Gründe, nach Deutschland zu kommen. Dort habe in den 60er Jahren seine Bodybuilderkarriere begonnen, verriet er auf der Konferenz.

Virtuelle Welten: Qwaq und Forterra sind Second Life auf den Fersen

3. Oktober 2008 von Sascha Alexander

Das Startup Qwaq in Palo Alto zu finden, ist fast unmöglich: Neben einem Optikergeschäft befindet sich einer schlichter Treppenaufgang ohne irgendwelche Namensschilder. Hinauf passiert man zuerst ein kleines Geschäft mit Brautmoden um dann schließlich in einen engen Arbeitsraum mit alten Möbeln und ein paar Programmierern zu gelangen. Eine freundliche alte Dame bietet sich an, Kaffee aufzusetzen, und stellt einen Teller mit trockenen Keksen auf den Tisch im angrenzenden Besprechungsraum. Dort wartet bereits CEO Greg Nuyens, der sich mit seinem Computer neben einen kleinen Tischventilator gesetzt hat.

BP ist schon ein Kunde

Doch die Umgebung stört den ehemaligen Standford-Absolventen wenig. Der freundliche und versierte Mann arbeitet mit seinen Kollegen (und mit Unterstützung von Konzernen wie Intel) seit dreieinhalb Jahren an einer virtuellen Collaboration-Plattform für Unternehmen. Über tausend große und kleine Kunden hat man schon gefunden, die sich in den virtuellen Räumen, “Qwaq Forums” genannt, treffen. Wichtigste Referenz ist dabei der Ölkonzern BP, der schon vor dem offziellen Launch von Qwap Anwender war.

Login und real anmutende Avatare

Anders als Second Life verzichtet Qwaq auf viele Gimmicks und versucht die Zusammenarbeit und Nutzung so  sicher und transparent wie möglich zu machen. So muss sich wie bei Unternehmensanwendungen der Teilnehmer vorab über ein Login authentifizieren.  Anders als in Second Life erhalten die Avatare nicht nur reale Namen, sondern sehen ihrem Nutzer auch sehr ähnlich. Hierzu werden vorab aus digitalen Fotos, die der Benutzer schicken muss, die Avatare erzeugt. Zudem können Anwender per E-Mail als Gäste eingeladen werden, haben dann aber keine Nutzerrechte innerhalb des Arbeitsraums.

CEO Greg Nuyens mit Qwap und Ventilator

Ferner können Anwender sich innerhalb des Arbeitsraums in durch virtuelle Milchglasscheiben abgegrenzte Bereiche  zurückziehen. Dort können sie dann im kleineren Kreis Punkte besprechen, die nicht für alle Ohren gedacht sind. Das System steuert dabei die Lautstärke so, dass man außerhalb des Séparées nur leises, unverständliches Gemurmel hören kann. Ebenso können sich natürlich einzelne Teilnehmer untereinander Nachrichten schicken, die nicht alle sehen können. Andererseits ist alles andere im Raum für alle hör- und sichtbar.

Keine Spielwiese in Phantasiewelten

Die Umgebung sei keine Spielwiese, sondern soll ganz der Zusammenarbeit dienen: “Get real work done” wie Nuyens mit einem Seitenhieb auf Second Life es ausdrückt. Anwendungsgebiete sind Gespräche mit Kunden, Partnern in der Lieferkette sowie verteilte Teams. So lassen sich beispielsweise Dokumente und Bilder per drag-and-drop vom lokalen Rechner des Nutzers an eine Wand im virtuellen Arbeitsraum verschieben, wo sie alle Teilnehmer betrachten und besprechen können. Neben der Audio-Unterstützung ist auch die Nutzung von Webcams möglich.

Ebenso ist es möglich, erste Collaboration-Anwendungen wie Microsoft Sharepoint aus der Umgebung heraus zu starten. Hierfür gibt es eine offene Schnittstelle, an der derzeit alle Vertreter der 3D-Welten arbeiten. Ziel ist es, eine möglichst breite Integration und Erweiterung der Umgebung über Plugins zu ermöglichen. Manche Vetreter sprechen daher bereist von 3D-Mashups. Einen Test sowie einen Screencast zu Qwaq hat Bernd Schmitz in seinem Blog veröffentlicht.

Verteilte Rechnerarchitektur

Dank der verteilten Rechnerarchitektur von Qwap, findet ein Großteil der Verarbeitung und Speicherung von Diskussionsinhalten auf den lokalen Clients (mit Standardausstattung unter Windows und Macintosh) statt. Der Server erhält nur eine Kopie, die er für spätere Sitzungen vorhalten kann.

Noch ist Qwaq im Entstehen und man lerne aus der Praxis immer mehr dazu. So its als Nächstes die Integration von Telefonie und weiterer Content-Repositories geplant. Ferner empfiehlt Nuyens beispielsweise, keine Treffen mit mehr als 15 Avantaren zu organisieren, damit es übersichtlich bliebt. “Schwieriger ist es, die Leute davon abzuhalten, als Avatar herumzulaufen und alles anzufassen”, lacht Nuyens.

Oft allerdings wollen Kunden gar kein Avatar sein, sondern bevorzugen ein Standbild von sich. Auch sieht er andere Formen der Zusammenarbeit wie Treffen über Dienste wie “Webex”, Telefonkonferenzen auch Videokonferenzen durchaus als Konkurrenz. Aber eine virtuelle Umgebung wie Qwaq schaffe eine “Awareness of Presence”, will sagen: man sieht und vertraut sich und kann alle Inhalte gemeinsam und für alle sichtbar benutzen. Nächstes Jahr kommt Qwap auf die CeBIT.

Forterra -read it from my lips

Eigentlich könnte man das eben Geschilderte genauso über das Startup Forterra sagen. Wir trafen Chris Badger, Vice President Marketing, in einem kleinen Hotelsaal in der Nähe von San José. Auch sein Unternehmen mit derzeit 65 Mitarbietern habe seine Urspünge in Stanford und arbeite mit Intel zusammen. Als Zielgruppe der Plattform “Olive” wolle man sich aber ganz auf die großen Konzerne der Welt konzentrieren. Bisher sei man vor allem in den USA unterwegs, es gebe aber in London auch eine erste europäische Anlaufstelle.

Ergänzend zum Nuyens betonte Badger, dass virtuelle Welten und3D-Mashups Szenarien darstellen könnten, die sich in der Wirklichkeit nicht umsetzen lassen. Beispiele seien das Durchspielen von Gefahrensituationen oder auch einfach die Möglichkeit, in der virtuellen Gruppe verschiedene Medien und Dokumente zeitgleich nutzen zu können. Das US-Verteidigungsministerium trainiert mit Forterra auch Kriegsszenarien.

Olive biete offenbar eine Architektur wie Qwap, die sich über Plugins erweitern lässt. Ein Beispiel hierfür ist die Integration von “Lotus Sametime”. Ansonsten gebe es auch hier zahlreiche Funktionen, die eine Zusammenarbeit erleichtern sollen. Neben dem sicheren Login sind dies unter anderem solche für ein Meeting-Management, 3D-Audio, 2D & 3D-Darstellung oder Aufnahme und Wiedergabe von Gesprächen etc.. Der aktuelle Client sei mit 75 MB noch viel zu mächtig, räumt Badger ein.

Man arbeite daher -wie alle Anbieter- an schlanken Browser-basierenden Alternativen, die nur noch die Installation eines kleinen PLugins erfordern. Vielleicht zum Schluss noch ein nettes Feature, dass Second Life nicht hat: der Avatar sieht nicht nur der realen Person ähnlich, er bewegt auch die Lippen, wenn der Benutzer mit den anderen Teilnehmern spricht.

Fressen die großen Hersteller die kleinen Spezialisten?

Noch ist nicht klar, was aus dem Markt für virtuelle Umgebungen wird. Dieser soll derzeit ein Volumen von rund 75 Millionen Dollar haben. Ich denke, er wird sich weiterentwickeln. Die Anbieter lernen nicht zuletzt von den Fehlern von Linden Lab und setzen auch technsich Akzente. Momentan sehen die Umgebungen allerdings noch oft wie Videospiele vor zehn Jahren aus.

Das Interesse an integrierten Collaborationen- und Kommunikationsplattformen ist aber riesig. Große Hersteller wie IBM, Microsoft, Oracle oder Cisco haben diesen Markt längst entdeckt. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass am Ende dreidimensionale Meeting-Räume Teil dieser Plattformen für Unified Communications werden. Die kleinen Spezialisten wie Qwap oder Forterra werden dabei wohl geschluckt, was auch Chris Badger für realistisch hält.


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